Fakten – Fakten – Fakten

Heute gibts mal ein bisschen Wissen anstatt vieler Fotos. (Fotos gibts natürlich auch welche)

“Okotoks” – was so lustig klingt bedeutet in der Sprache der First Nations “großer Stein”. Um genau zu sein waren es die Blackfoot First Nations (“Schwarzfuß-Indianer”) die der Stadt den Namen “ohkotok” gaben.

Das beruht auf der Geschichte des großen Felsbrockens, den man am Rande von Okotoks bewundern kann. Dieser wurde – mitsamt vieler anderer immenser Gebirgsbrocken – vor sehr langer Zeit als das Gletschereis der Rocky Mountains schmolz mit dem Wasser bis nach Okotoks getragen. Er ist 16.500 Tonnen schwer und mittlerweile in zwei Teile gebrochen. Von der Größe her ist er vergleichbar mit einem zweistöckigen Haus.

Hier ein Bild mit dem berühmten BIG ROCK außerhalb von Okotoks (2010)

So ein paar Dinge sind mir hier aufgefallen, die anfangs eventuell etwas komisch waren, aber mit der Zeit immer mehr Sinn ergaben. Wie z. B. Straßenkreuzungen mit Ampeln. Wie oft stehst du in Deutschland an einer Ampel und musst dir den Hals verrenken, um die Ampel zu sehen?
Hier sind die Ampeln in der Mitte der Kreuzung montiert und du hälst ca. 10 m vor Mitte der Kreuzung. So hast du – ohne dich anstrengen zu müssen – immer einen perfekten Blick auf die Ampeln.

Auch kann man hier an jeder Kreuzung – bei ROT – rechts abbiegen, was oftmals echt “needy” ist.

Apropos Straße – Verkehr – Erlaubt und nicht erlaubt:

Ich hatte doch tatsächlich meinen ersten Polizeikontakt! Nach so vielen Erzählungen von verschiedensten Leuten, die mir alle klar machten, dass mit der Polizei hier nicht zu spaßen ist, durfte ich es selbst erfahren. Ich fahre ja wirklich anständig, nachdem mein Bruder mir erzählte, dass es rund 400 Dollar kostet, wenn man an einem Stopschild nicht komplett (die Räder müssen stehen) anhält. Ich stoppe IMMER komplett. Wenn es auch manchmal einige meiner Mitfahrer irritiert. Die wissen scheinbar nicht, was ich weiß 😉

Jedenfalls wurde ich letzte Woche tatsächlich erwischt. Ich war etwas in Gedanken, als ich den Berg von Julians HighSchool runterfuhr. Erst als vor mir auf der Straße ein Polizist mit Blitzgerät auftauchte und mich aufforderte mein Fenster zu öffnen, wurde mir schlagartig heiß und kalt. Er zeigte mir auf dem Radarmessgerät, dass ich 47 km/h anstatt 30 km/h gefahren bin. Und das in einer SCHULZONE!!!!

Oh no!!! In einer Schulzone zu schnell fahren oder Passanten nicht über die Straße zu lassen sind hier die schlimmsten Vergehen im Straßenverkehr. Mir wurde etwas schlecht. Er forderte mich auf, an der Seite zu parken und ihm meine Papiere zu geben. Mit zitternden Händen sammelte ich also meine Autopapiere, meinen deutschen Führerschein mit dem internationalen Führerschein zusammen und gab ihm alles. Dann verschwand er für eine kleine Ewigkeit in seinem Auto und gab mir genügend Zeit über meine Tat nachzudenken. Ich wurde immer nervöser und die Dollarsummen vor meinem inneren Auge wurden immer höher. Das wird so teuer werden! Schulzone und dann noch so viel zu schnell!

Nachdem ich einige Stoßgebete gen Himmel gesandt hatte kam er zurück und fragte mich, warum ich ohne gültige Fahrerlaubnis fahre!? WAS!? Mein deutscher Führerschein zusammen mit dem Internationalen würde nur für die ersten 90 Tage gelten. Danach müsste ich meinen deutschen in einen kanadischen Führerschein tauschen. (Genau darüber hatte ich mich aber vorher schon auf der Behördenwebsite informiert und dort stand, dass ich mit dem Internationalen 1 Jahr fahren kann; ABER wie ich von Bekannten wusste: Mit der kanadischen Polizei diskutiert man nicht! Mit jedem Strafzettel bekommst du nämlich auch gleich einen Gerichtstermin, bei dem du erscheinen kannst und DORT und nur dort kannst du dann diskutieren über deinen Fall. Also hab ich brav “Entschuldigung, das wusste ich nicht” gestottert.) Er meinte dann, dass er mir das jetzt heute mal durchgehen lässt, ich aber in den nächsten Tagen unbedingt meinen Führerschein tauschen lassen muss. Ich bejahte eifrig und dann bekam ich den befürchteten gelben Zettel mit der Strafgebühr für´s zu schnell Fahren:

Ich traute mich erst gar nicht draufzuschauen. Aber was soll´s. Passiert ist passiert. Ich suchte also den Zettel ab nach einer Summe um die 500 Dollar. Aber vergebens. Da stand nur eine Summe von “149 $”…. Ich war verwirrt. War das vielleicht sogar eine 7 anstatt einer 1? “749 $”???

Aber nein. Es waren “NUR” 149 $ an Strafgebühr. Mir fiel ein echter Stein vom Herzen! Das geht ja noch.

Um meinen neuen Führerschein hab ich mich noch am selben Tag gekümmert. Die Damen der Zulassungsstelle wollten mir zwar auch erst erklären, dass ich das nicht brauche wenn ich einen Internationalen habe, aber als ich erwähnte, dass der Police Officer das anders sah heute morgen, gaben sie mir die Anträge zum Ausfüllen und machten ein neues Passfoto für meinen neuen kanadischen Führerschein. Und dass ich dort 3 mal hinfahren musste, um endlich alle Daten zusammenzukriegen war wohl ein Gruß aus Amtszeiten 😉 Der PC wollte nicht so richtig und ich musste immer mal wiederkommen um nachzufragen, ob es mit dem Datenausdruck jetzt geklappt hat.

Ich krieg jetzt also nochmal nen ganz neuen Schein für die letzten paar Monate hier. UND: Die haben meinen Deutschen einfach behalten. Den krieg ich nicht wieder. Sprich: Nachdem ich mich in ein paar Wochen an meinen Kanadischen gewöhnt habe, muss ich ihn in Deutschland schon wieder gegen einen Neuen tauschen 😑 Und bis ich meinen Kanadischen hier sehe, dauert noch ein paar Wochen. Der wird zugeschickt. Bis dahin hab ich einen schicken kleinen Zettel für die Polizei zum Vorzeigen anstelle eines Scheins. Ich hoffe nicht, dass ich den Zettel oder meinen neuen Führerschein nochmal zeigen muss. Der Schreck sitzt noch tief genug.

Als ich einer Freundin davon erzählte kamen wir so ins Plaudern über sinnlose Dinge und unter anderem auch, dass ja mittlerweile Wörter wie “Zigeunerschnitzel”, “Negerküsse” usw. verboten sind. Da meint sie plötzlich: “Nur den Führerschein; den haben sie noch nicht verboten! Wo er doch der Schlimmste von allen ist!” Ich wusste erst nicht, was sie denn meinte. Aber dann: FÜHRERschein!!!!! Ist euch das schon mal aufgefallen!? Zigeunerschnitzel darf man nicht sagen, aber FÜHRERschein!?

Komisch, hm!?

So, was gibt es noch an Besonderheiten hier:

Ein wahres Fadenkreuz gibt es mitten in Calgary. Verkehrskreisel kann man hier an zwei Händen abzählen. Die muss man schon suchen. Aber wenn du einen findest,  dann ist das nicht so ein normaler langweiliger Kreisel – nein – wenn schon denn schon 😂 Kanada macht keine halben Sachen. Durch diesen Kreisel hier muss ich öfter mal durch und es ist mir jedes mal ein Gräuel. Dieser Kreisel ist nicht nur zweispurig sondern mitten hindurch laufen Bahngleise! Und das ist nicht so eine alte vergessene unbefahrene Bahnstrecke! Also musst du schon konzentriert fahren,  um auf Züge,  Lichter,  Schranken, Schilder und Autos zu achten 😂

Schlechtes Foto – ich weiß. Aber um das richtig drauf zu kriegen müsste ich schon mit einem Helikopter drüber fliegen 😉

Briefkästen: Die gibts hier nicht. Ja, richtig. Kein Haus hat einen Briefkasten. Hier gibt es in jeder Straße einen großen Kasten mit vielen kleinen Schließfächern in die die Post sortiert wird. So muss der Briefträger in jeder Straße nur zu einem Ort um seine Post abzuliefern. Und jeder Bewohner muss dorthin um in seinem Schließfach seine Post abzuholen. Ist das jetzt eine gute Lösung? Na, ich finde es immer noch besser seinen Briefträger zu kennen und grüßen zu können, wenn er die Post ans Haus bringt 😉
Bis zum nächsten Faktenstop! 🙂

Liebe Grüße

Marion

6 Gedanken zu „Fakten – Fakten – Fakten“

  1. Hallo Marion
    super erklärt. auch das ist wichtig.
    Weiter so.
    Ahlerts sind jetzt nach Hongkong zu einem Zwischenstopp geflogen, bevor sie dann wahrscheinlich nächste Woche in Deutschland sind.
    Gruß
    Mama

  2. Also, zu deinen Erinnerungen zu “Amtszeiten”:
    Bei uns hättest du die Pferdekennzeichen sofort mitnehmen können … und nicht wie bei deinem Führerschein dreimal kommen müssen. 🙂

    1. 😂 Das stimmt! Das nächste Mal wenn jemand behauptet es würde zu lange dauern im Amt kannst du sagen er soll froh sein, nicht in Kanada am Schalter zu stehen…

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