Edmonton – das hässliche Entlein

“Den Weg könnt ihr euch sparen!” haben wir von mehreren Kanadiern gehört, als wir von unseren Plänen erzählten, die Hauptstadt der Provinz Alberta zu besuchen. “Edmonton ist hässlich.”

Man soll nicht alles glauben, was man hört – hab ich gelernt. Also sind wir trotzdem aufgebrochen um uns ein eigenes Bild zu machen.

Die 3-stündige Autofahrt nach Edmonton war schon mal nicht die schönste. Grau, kahl, Industriegebiete rechts und links des Queen Elisabeth Highways. Als wir in Edmonton auf dem Parkplatz unseres Hotels ankamen, war es Abenddämmerung. Und es regnete! Regen ist eines der seltensten Dinge hier in Kanada! Aber es war auch kalt und grau. Passend dazu hat sich unser Hotel gezeigt: braun, grau, hässlich mit einer wunderbaren Rotlichtmilieu-erinnernden Beleuchtung.
Erster Eindruck: “Bäh”

Im Hotel selbst fanden wir eine sehr hübsche Lobby mit angrenzendem Restaurant und eigenem Subway-Laden. Nicht schlecht. Dafür waren die Flure zu den Zimmern und das Zimmer selbst eher gruseliger Natur. Aber wir schlafen ja nur hier. Am gleichen Abend haben wir uns entschlossen ins 5 Minuten entfernte Science-Center zu fahren. Da wollten wir schon in Calgary mal reinschauen. Dort gibt es auch eins.

Es war wunderbar und super interessant. Julian wollte gar nicht gehen. 80 % der ausgestellten Dinge konnte man selbst ertesten und bewegen, was vor allem den Kindern viel Spaß bereitete. Die “Furz-Orgel” fand Julian am besten. Mit jeder Taste kam ein anderes Furzgeräusch aus der Orgel, was sich wirklich lustig anhörte. Klar, dass Kinder da Spaß haben.

Ein I-Max-Kino gab es auch. Das kannten wir schon vom Technikmuseum in Speyer. Wer das nicht kennt: Unbedingt rein gehen. Ein Kinoerlebnis der ganz anderen Art. RIESIG!!! Klang, Bild und 3D der Extraklasse.

Für den nächsten Tag haben wir uns die größte Einkaufsmall in Nordamerika vorgenommen. Bis 2004 war es noch die WELTGRÖßTE Mall der WELT. Die ist jetzt aber in Dubai. (Klar, wo sonst?!) Die West-Edmonton-Mall ist aber immerhin noch die zehntgrößte Mall der Welt. Mit über 800 (!) Geschäften, einem eigenen Erlebnispark, einem Schwimmbad, Kino, SeaLife Unterwasserwelt und einer Eislaufbahn ziemlich das größte, was wir je unter einem Dach erlebt haben. Alles ist natürlich nicht zu schaffen an nur einem Tag. Wir haben also aufgesplittet in 1 Tag Shoppen und 1 Tag Wasserpark.

Der erwartete WOW-Effekt kam leider dann doch nicht auf. Es gab die gleichen Geschäfte, wie in jeder anderen Mall in Calgary auch. Wir waren ziemlich schnell durch an diesem Tag und haben alles gesehen. Mit müden Füßen haben wir uns dann mit Essen eingedeckt und einen gemütlichen Abend im Hotelzimmer gemacht bevor es am nächsten Tag dann ins riesige Schwimmbad ging. Die Schlangen an der Kasse durften wir schon am Vortag bewundern. Wir sind also pünktlich zur Öffnungszeit an der Mall angekommen und haben uns in die bereits vorhandene 30 m lange Schlange angestellt. Billig ist so eine Schwimmbad direkt in der Mall natürlich nicht! 45 Dollar pro Person. In der Umkleidekabine durfte ich dann erfahren, dass das noch nicht reicht: Für einen Spint muss man nochmal extra 12 Dollar zahlen!!!! Ist das nicht der Wahnsinn. Unglaublich.
Dafür hatten wir aber durch einen tollen Zufall ein gratis Mittagessen und einen Wasserreifen für den Tag dazubekommen, da eine Mutter vor uns in der Schlange uns in ihre Kindergeburtstagsgruppe mit eingeschleust hatte.

Auch wenn wir eine der ersten 100 Gäste waren, gab es schon keine Liegeplätze oder freie Stühle mehr. Das ist hier nicht anders als in Deutschland im Freibad. Kommen – Liege mit einem Handtuch belegen – und dann den ganzen Tag nicht drauf liegen.

Das ist mal ne Konstruktion, oder!? Es war tatsächlich auch ein kleiner Irrgarten den Weg zur gewünschten Rutsche zu finden

Das größte Becken war ein Wellenbad mit Wellen wie im Ozean. Wirklich toll gemacht. Dann gab es noch 17 (!) Rutschen. Von mild bis oh-mein-Gott-niemals. Julian ist eigentlich ein richtiger Rutschenfanatiker. Aber an diesem Tag war er außer zum Mittagessen nicht mehr aus den Wellen rauszubekommen. Satte 6 (!) Stunden verbrachte er in den Wellen. Gut, ich auch mind. 4 Stunden. Es war toll. Mit den Reifen konnte man sich gemütlich treiben lassen wenn die Wellen Pause hatten. Aber wenn du auf dem Reifen warst und von einer Welle erwischt wurdest, konnte es schon vorkommen, dass du über die hinter dir schwimmenden Leute drüber flogst und 10 Meter weiter hinten aus dem Wasser aufgetaucht bist. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Von den Rutschen haben wir leider nur 1 ausprobiert. Und das war nicht eine der waghalsigen in der du zu Beginn in einer Art Rakete stehst. Du stehst in einer Art Glasbehälter in der du den Countdown hörst, bis sich der Boden (!) unter deinen Füßen öffnet und du in die Rutsche entlassen wirst. Gruselig. Nichts für mich. Dazu kommt noch der “Tsunami”, das ist eine Wellenanlage in der man Surfen kann. Ja richtig, surfen. Noch dazu kommt eine Zipline, mit der man über das große Becken fliegen kann. Langeweile kommt da sicher nicht auf. Man braucht nur das nötige Kleingeld. Das kostet nämlich natürlich alles extra!

Was du an diesem Schwimmbad auch mögen musst, sind die vielen vielen Zuschauer. Direkt von einigen Geschäften in der Mall kannst du nämlich ins Schwimmbad schauen. Auch gibt es eine Besucherterrasse. Wie am Frankfurter Flughafen. Nur kannst du hier halbnackte Badegäste bewundern anstatt Flugzeuge.
Nach 8 Stunden im Schwimmbad sind wir auch an diesem Tag müde und glücklich ins Bett gefallen. Von Edmonton selbst hatten wir bis dahin nicht wirklich was gesehen. Seit 2 Tagen war es grau und regnerisch. Ein Wetter, dass wir bis dahin in Kanada noch gar nicht hatten. Hier ist zu 98 % jeden Tag blauer Himmel und Sonnenschein!

Ein Nachbau der “Santa Maria”, eines von Kolumbus’ Schiffen gibt es auch zu bewundern

Ich war dennoch nicht bereit, Edmonton aufzugeben und glaubte an ein Wunder für den nächsten und letzten Tag. Doch was soll ich sagen: Unser kurzer Ausflug nach Downtown Edmonton ergab keine andere Bewertung als die, die wir schon vorher zu hauf gehört hatten: hässlich. Vielleicht nicht unbedingt hässlich, aber auch nicht schön. Und auch ich muss dieser Stadt leider den Stempel “nicht sehenswert” aufdrücken. Gut: abgesehen von der Mall natürlich. Aber dazu muss man nicht wirklich 3 Stunden fahren. Es gibt auch tolle Schwimmbäder in Calgary. Auch mit Wellenbad.
Das hat man davon, wenn man nicht auf andere hört 😉

Goodbye hässliches Entlein. Trotzdem schön, dich kennengelernt zu haben. Und gerade als wir aus der Stadt rausfuhren, klärte sich der Himmel und die Sonne kam seit Tagen aus ihrem Versteck 😀

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